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	<title>Entwicklungshilfe-Blog &#187; Volker Seitz</title>
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		<title>Hilfe für Afrika ist oft von durchschlagender Wirkungslosigkeit</title>
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		<comments>http://www.entwicklungshilfe-blog.de/2009/11/hilfe-fur-afrika-ist-oft-von-durchschlagender-wirkungslosigkeit/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 17 Nov 2009 13:58:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Volker Seitz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Entwicklungspolitik]]></category>
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		<description><![CDATA[Der bedeutende ghanaische Wirtschaftswissenschaftler George Ayittey hat ausgerechnet, dass seit 1960 die Summe von sechs Marshallplänen nach Afrika gepumpt wurde- „ohne erkennbares Ergebnis.“ Ferner hat er daran erinnert, dass in den 60er Jahren sich Afrika nicht nur selbst ernähren, sondern auch noch Lebensmittel exportieren konnte. Heute vertreten viele afrikanische Regierungen nicht die Interessen ihrer Bürger. 2004 errechnete die Afrikanische Union, dass Korruption Afrika jährlich 148 Milliarden Dollar kostet. Hinzu kommt die Kapitalflucht aus Afrika mit etwa 22 Milliarden Dollar. 
Während ein großer Teil der regierenden „Elite“ seit Jahren mit Härte ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der bedeutende ghanaische Wirtschaftswissenschaftler George Ayittey hat ausgerechnet, dass seit 1960 die Summe von sechs Marshallplänen nach Afrika gepumpt wurde- „ohne erkennbares Ergebnis.“ Ferner hat er daran erinnert, dass in den 60er Jahren sich Afrika nicht nur selbst ernähren, sondern auch noch Lebensmittel exportieren konnte. Heute vertreten viele afrikanische Regierungen nicht die Interessen ihrer Bürger. 2004 errechnete die Afrikanische Union, dass Korruption Afrika jährlich 148 Milliarden Dollar kostet. Hinzu kommt die Kapitalflucht aus Afrika mit etwa 22 Milliarden Dollar.<strong> </strong></p>
<p>Während ein großer Teil der regierenden „Elite“ seit Jahren mit Härte und Kälte ohne jede Entwicklungsorientierung und ohne Unrechtsbewusstsein sich an öffentlichen Ressourcen bedient, spielt sich das Leben der einfachen Afrikaner und vor allem Afrikanerinnen in der alltäglichen Misere des harten Überlebenskampfes ab. So leben trotz allen materiellen und intellektuellen Potentials in großen Teilen Afrikas noch immer mehr als 40 % der Bevölkerung unter der Armutsgrenze. Ihr ehrenhaftes, mutiges Verhalten und  ihre Würde habe ich in 17 Jahren in 7 Ländern auf Posten in Afrika schätzen gelernt. Es gibt dort viele Menschen, deren Handeln ausschließlich von den Gesetzen der Anständigkeit und der Integrität bestimmt ist.</p>
<p>Mangels anderer (wirtschaftlicher) Erfolgserlebnisse suchen die Menschen Zuflucht unter dem verschwitzten Hemd ihrer Fußballhelden. Siege von Drogba , Eto’o oder Adebayor trösten, und die Demütigungen werden für kurze Zeit vergessen.</p>
<p>Diese ganz überwiegend demokratisch gesinnte Bevölkerung wünscht sich rechtstaatliche Verhältnisse und eine wirtschaftliche Zukunft im eigenen Land und nicht als Asylsuchender in Europa oder sonst wo. Wenn die Gesellschaften vorankommen wollen, brauchen sie deshalb stabile staatliche Strukturen und durchsetzungsfähige gemeinwohlorientierte Regierungen. Genau daran fehlt es eklatant in vielen Ländern. Häufig arbeiten gerade die Regierungen gegen die Interessen der Bevölkerung und schaffen damit Armut. Wir leisten Hilfe zur Selbsthilfe, aber das geht nur dort, wo die dortigen Eliten das Konzept auch umsetzen wollen.</p>
<p>Die Eliten müssen sich  zur Verantwortung für die Entwicklung der ihnen anvertrauten Länder durchringen. Alle noch so gut gemeinten Entwicklungsanstrengungen der zahlreichen Geber werden heute von der Ausplünderungsmentalität des korruptionsgeneigten Teils der politischen und administrativen Oberschicht mit Leichtigkeit überlagert zunichte gemacht. Seit langem ist bekannt, dass ein Staat sich nur entwickeln kann, wenn das &#8211; oft genau kalkulierte &#8211; Chaos in den afrikanischen Finanzverwaltungen, das die Unterschlagungen verschleiern soll, beendet wird. Wir müssen den politischen Willen und die Einsicht der Verantwortlichen in ihre eigenen vitalen Interessen fördern, bevor noch mehr materielle Hilfe folgt.  Dennoch wird  von den Gebern einfach weitergemacht. Ich bin in diesem Punkt mehr denn je im „Vollbesitz meiner Zweifel“ (Peter Rühmkorf), denn in den letzten Jahren wurde politische Versprechen selten von den Empfängern der Hilfe in Handeln umgesetzt.</p>
<p>Stattdessen hat jeder neue Reiche in Afrika drei Handys im italienischen Anzug stecken und ist zu allem bereit, um an eine Villa , an einen Geländewagen der Luxusklasse und an Auslandskonten zu kommen. Es wird ihnen von der Führung vorgelebt. Das französische Magazin L’Express hat am 12. 2.2009 ausführlich über die angehäuften Reichtümer afrikanischer Präsidenten in Frankreich berichtet. Da kann man sich schon die Frage stellen, ob die Familie des Präsidenten von Gabun, Ali Bongo, 39 Anwesen meist in bester Lage in Paris, 70 Bankkonten und 9 Luxusautos benötigt. Denis Sassou Nguesso, der Präsident von Kongo Brazzaville, besitzt nur 18 Anwesen, braucht aber 112 Bankkonten. Bescheiden ist demnach der Präsident des benachbarten Inselstaates Äquatorialguinea, Teodoro Obiang Nguema. Von ihm sind nur ein Anwesen und ein Bankkonto bekannt. Dafür hat sein Sohn in Frankreich einen Wagenpark von 8 Maybachs, Ferraris, Bugattis, Maseratis und Rolls-Royce mit einem Wert von 4,2 Millionen Euro. Natürlich braucht der Sohn des Präsidenten auch einen Jet (33,8 Mill. Dollar) und eine bescheidene Villa in Malibu (35 Mill. Dollar). Dazu passt eine Meldung der Sunday Times vom 14. Februar 2009, dass der Präsident von Simbabwe Robert Mugabe in Hongkong eine Villa für 5,6 Millionen US Dollar gekauft hat. Während das Volk von Simbabwe unter bitterer Armut leidet, Schulen und Krankenhäuser geschlossen sind, hatte Mugabe nach südafrikanischen Medienberichten ein verschwenderisches Fest zu seinem 85. Geburtstages mit 8000 Hummer, 2000 Flaschen Champagner, 500 Flaschen Whisky und 4000 Portionen Kaviar gefeiert.</p>
<p>Das Bedrückende liegt darin, dass der Mann  auf Strasse  jeden in einer höheren Position für einen Gauner hält. Er kennt die Gleichgültigkeit der politischen Führung. Die Phrasen über das Gemeinwohl,  die in Wahrheit nur dazu dienen, öffentliche Gelder auf die privaten Konten der Politiker zu schaufeln, sind ihm allzu vertraut. Dabei haben viele Afrikaner durchaus ernstzunehmende Vorstellungen, wie man mit den Ressourcen der Länder anders umgehen könnte als heute üblich.</p>
<p>Das „Herrenclubprinzip“ (es gibt bislang nur eine Präsidentin in Liberia) und die Korruption bringen weiterhin Armut. Die an der wirtschaftlichen wie politischen Macht Sitzenden haben ohne Druck der Entwicklungshilfegeber, die viele Länder weiterhin mit Hilfsangeboten überschütten,überhaupt kein Interesse an der Beseitigung der Korruption. Daran werden auch  noch höherer Steuergeld-Einsatz der Gebergemeinschaft und die häufige Abhaltung von bombastischen Konferenzen, Workshops,  Journées de Reflexion, Seminaires de sensibililation, Conférences-débats, Ateliers-débats, Seminaires-ateliers, Runde Tische etc. nichts ändern. In der Langeweile des technokratischen Geredes der Theoretiker der Unübersichtlichkeit wird jeder unkonventionelle Gedanke von kritischen und inzwischen zornigen Afrikanern und Afrikanerinnen (z.B. James Skikwati, Andrew Mwenda, Axelle Kabou, Moeletsi Mbeki, George Ayittey, Dambisa Moyo) begraben. Wir können nicht den bisherigen Entwicklungshilfemodus beibehalten, und die afrikanischen Eliten können nicht so weiter machen. Die Entwicklungshilfe ist für viele Staaten zu üppig. Heutzutage  werden die Eliten von der Großzügigkeit des Westens fortgerissen. Sie lassen sich –nach meiner Beobachtung- ohne Rücksicht auf die Bedürfnisse für ihr Volk von der Entwicklungshilfeindustrie überreden, die Dinge, die ihnen angeboten werden, auch haben zu wollen. Es gibt weder eine kritische Bestandsaufnahme der bisherigen Hilfe, noch wird hinterfragt, warum bisher all die gut gemeinten Bemühungen und die massive Hilfe an die Länder wirtschaftlich und sozial kaum etwas bewirkt haben: Hauptsache die immer reichlicher bemessene Entwicklungshilfe fließt ab. Schuldenerlass und massive Hilfe sind ohne Bedingungen und Kontrollmechanismen nicht nur nicht sinnvoll, sondern meist schädlich, weil sie nicht zu Reformen ermuntern und die Selbsthilfekräfte durch ein Übermaß an Förderung ersticken.</p>
<p>Und da für die Entwicklung eines Landes die Selbsthilfekräfte entscheidend sind, können wir nichts besseres tun, als diese zu stärken.Tiefere Reformen sind notwendig, die freilich unpopulärer sind als das immer neue Aufdrehen des Geldhahns.</p>
<p>Volker Seitz, Botschafter a.D. und Autor des Buches „Afrika wird armregiert oder Wie man Afrika wirklich helfen kann“, dtv Juli 2009 (dritte Auflage November 2009)</p>
<p><strong> </strong></p>
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		<title>&#8220;Für afrikanische Regierungen ist die Massenauswanderung kein Alarmzeichen&#8221;</title>
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		<pubDate>Tue, 10 Nov 2009 18:52:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lisa Armbruster</dc:creator>
				<category><![CDATA[Entwicklungspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Afrika]]></category>
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		<category><![CDATA[Botschafter]]></category>
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		<description><![CDATA[

Volker Seitz, ehemaliger Botschafter und Autor des Buches &#8220;Afrika wird armregiert&#8221;, macht im folgenden Artikel deutlich, dass das eigentliche Problem afrikanischer Staaten die dortigen Regierungen sind. Ihre Landleute sind ihnen mehr oder weniger egal und so sehen sie auch in der Massenauswanderung, die man leider in vielen afrikanischen Staaten beobachten kann, kein Alarmzeichen.

&#8220;Es bringt nichts, um den heißen Brei herum zu reden. Die regierenden Eliten in den „afrikanischen Vampirstaaten“( so nennt sie der ghanaische Ökonom George Ayittey) haben in einem Land nach dem anderen die Wirtschaft und den Staat ruiniert. ...]]></description>
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<p class="MsoNormal"><strong>Volker Seitz</strong>, ehemaliger Botschafter und Autor des Buches &#8220;Afrika wird armregiert&#8221;, macht im folgenden Artikel deutlich, dass das eigentliche Problem afrikanischer Staaten die dortigen Regierungen sind. Ihre Landleute sind ihnen mehr oder weniger egal und so sehen sie auch in der Massenauswanderung, die man leider in vielen afrikanischen Staaten beobachten kann, kein Alarmzeichen.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">&#8220;Es bringt nichts, um den heißen Brei herum zu reden. Die regierenden Eliten in den „afrikanischen Vampirstaaten“( so nennt sie der ghanaische Ökonom George Ayittey) haben in einem Land nach dem anderen die Wirtschaft und den Staat ruiniert. Einige kommen direkt aus der Kaserne in das Präsidialpalais: 18 Staatschefs der 53 Länder Afrikas sind ehemalige Militärs. Demokratie und Rechtstaatlichkeit werden in Afrika meistens nicht ernst genommen. Da kann es -wie kürzlich in Kamerun- geschehen, dass eine Woche vor dem Papstbesuch hunderte kleine Verkaufsstände zertrümmert. werden. Begründung: die Stände sind eine Beleidigung fürs Auge. Dass damit die Lebensgrundlage von vielen Kleinunternehmern zerstört wurde, spielt keine Rolle. Woran es in vielen Staaten mangelt, sind stabile demokratische Institutionen. Der Willkür sind allzu viele Türen geöffnet.</p>
<p class="MsoNormal">.</p>
<p class="MsoNormal">Das Pariser Wochenblatt „Jeune Afrique“ hat für Zentralafrika ausgerechnet, dass die sechs Präsidenten von Gabun (Vater&amp;Sohn), Äquatorialguinea, Kongo Brazzaville, Zentralafrikanische Republik, Kamerun und Tschad zusammen genommen bereits seit 140 Jahren an der Macht sind. Auch der Präsident von Angola regiert das Land bereits seit 1979.Der Staatschef von Gabun ist allerdings vor ein paar Tagen<span> </span>nach 42 Jahren an der Macht gestorben.</p>
<p class="MsoNormal">Etliche<span> </span>haben -wie westliche Medien regelmäßig berichten- gewaltige private Reichtümer in Europa, USA, Kanada und anderswo angehäuft. Allein der verstorbene nigerianische Diktator</p>
<p class="MsoNormal">Sani Abacha hatte während seiner Regierungszeit (1993-98) etwa 2,2 Milliarden Dollar außer Landes geschafft. Von den 700 Millionen Dollar, die auf schweizer Konten gefunden wurden, hat die Schweiz im März 2009 die letzte Tranche an die nigerianische Staatskasse zurück<span> </span>überwiesen. Erstaunlich ist auch das Vermögen des Sohnes des ehemaligen Gouverneurs des Staates Lagos, des Generaldirektors von Zenon Petroleum and Gas, Femi Otedola, das das amerikanische Wirtschaftsmagazin “Forbes“ mit 1,2 Milliarden Dollar angibt. Mitte Juni wurde in den<span> </span>USA bekannt, dass die amerikanische Regierung gegen 44 kamerunische Milliardäre ein Aufenthaltsverbot verhängt hat.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Für die Bevölkerungen spielt oft keine Rolle, wer an der Macht ist. Unfähigkeit und Unterschlagungen bleiben meist ohne Konsequenzen. Es fehlt an Respekt vor den eigenen Gesetzen. Deshalb ist der Vorwurf, dass es Korruption schließlich auch bei uns gibt, verfehlt. Bei uns kann niemand sicher sein, dass Unterschlagungen nicht doch bestraft werden. In Afrika ist dagegen die Straflosigkeit für die Machteliten die Regel, von der es nicht viele Ausnahmen gibt. Das ist auch ein Grund, weshalb sich Afrikaner mit verzweifelter Entschlossenheit auf den gefahrvollen Weg in die Ferne machen.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Viele Staaten taumeln ständig am Rande des Abgrunds entlang, und die Menschen haben keine Hoffnung, dass sich in ihren Ländern noch etwas zum Guten bewegt. Für die Regierungen ist dies kein Alarmzeichen, sondern willkommen, da die Arbeitslosigkeit und Unzufriedenheit nach Europa exportiert werden können. Sie werden dadurch den Druck los. Das Schicksal ihrer eigenen Landsleute ist ihnen gleichgültig, und sie sehen mit großer Gelassenheit zu, wenn wieder einmal hunderte Migranten in der Wüste verdursten oder auf ihrer Fahrt in schrottreifen Booten<span> </span>nach Italien oder Spanien ertrinken. Auch wird das kriminelle Geschäft mit Migration, das inzwischen eine ausgefeilte und gewinnbringende Industrie geworden ist , nicht erschwert. Im Gegenteil hat es freies Feld.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Die Flüchtlinge sind junge , meist gut ausgebildete Menschen, die in ihren Ländern dringend gebraucht werden. Der in Kenia geborene und in den USA und in Nigeria lehrende Geisteswissenschaftler Ali Mazrui sagt: „Es ist eine große Verschwendung der Entwicklungspotentiale Afrikas, Tausende von gut ausgebildeten<span> </span>Wissenschaftlern ins Exil nach Europa und den USA zu treiben.“ Und<span> </span>Ngugi wa Thiong’o der wichtigste Schriftsteller Kenias, der in den USA lehrte:“ Es ist furchtbar in der modernen Welt, dass so so viele Schriftsteller in ein anderes Land emigrieren mussten , um sich die Möglichkeit zu erhalten, das Geschehen in ihrem Heimatland zu kommentieren.“</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal"><strong>Haben wir uns schon an das Unrecht gewöhnt? </strong></p>
<p class="MsoNormal"><strong><span> </span></strong></p>
<p class="MsoNormal">Wo bleibt der Aufschrei der Empörung in den westlichen Hauptstädten. Wir haben uns offenbar schon an die alltäglichen Menschenrechtsverletzungen gewöhnt. Interessieren wir uns nicht für die Hintergründe des Massengrabes Mittelmeer? Es bleibt dabei, Kritik an afrikanischen Regierungen ist politisch nicht korrekt. Wann nehmen wir die Forschungen des indischen Nobelpreisträgers Amartya Sen zur Kenntnis, der nachgewiesen hat, dass in einem freien und demokratisch regierten Land es noch nie zu Hungerkatastrophen kam? Möglicherweise, so vermutet Umberto Eco, ist die politische Korrektheit überhaupt dazu da , das zugrunde liegende Problem, weil es ungelöst ist, sprachlich zu kaschieren. Aber wir sollten uns nicht täuschen. Die Zeit spielt gegen die in die Jahre gekommenen Machthaber . Die afrikanischen Gesellschaften sind jung, und sie werden die mangelnde soziale Verantwortung, Arroganz und Demokratieverachtung ihrer Eliten oder derer, die sich dafür halten nicht mehr lange hinnehmen. Dies wird auf Dauer nicht folgenlos bleiben.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Es sind auch<span> </span>die falschen Entwicklungsrezepte, die den Kontinent ruinieren.. Afrika braucht nicht mehr Geld. In den Worten des südafrikanischen Ökonomen Themba Sono:“Mehr Hilfe verstärkt allenfalls das Chaos.“ Es braucht Eliten, die sich verantwortlich benehmen. Der peruanische Ökonom und Entwicklungsexperte Hernando de Soto stellt der Entwicklungshilfe ein Armutszeugnis aus :“Entwicklungsländer können die Armut aus eigener Kraft bewältigen. Dazu brauchen sie keine Verdopplung der Hilfsgelder und auch keinen Schuldenerlass“ und weiter “Wohltätigkeit geht nicht an die Wurzeln der Armut. Deren Ursache ist die rechtliche Diskriminierung einer Bevölkerungsmehrheit in den Entwicklungsländern.“</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Auch die sambische Ökonomin Dambisa Moyo fordert ein Ende der westlichen Entwicklungshilfe. „ In den vergangenen 50 Jahren sind über 2 Billionen Dollar an Hilfen von den reichen an die armen Länder geflossen. Aber dieses Modell hat nirgendwo auf der Welt wirtschaftlichen Aufschwung gebracht. Dabei haben wir gesehen, welche Konzepte die Armut in China, Indien, Südafrika und Botsuana vermindert haben. Diese Länder haben auf den Markt als Motor für Wirtschaftswachstum gesetzt.“</p>
<p class="MsoNormal">Da aber nicht sein darf, dass eine Afrikanerin die Wirklichkeit in Afrika besser beschreibt, als westliche Experten, wird Frau Moyo gerne unterstellt, dass sie nur provoziere und sich nur ins Rampenlicht stellen wolle . Aber das kennen wir ja schon von anderen kritischen Afrikanern wie James Shikwati, Andrew Mwenda, Ali Mazrui, Themba Sono, Moeletsi Mbeki, Axelle Kabou, George Ayittey. Auch sie werden gerne von der Entwicklungshilfeindustrie als „umstritten“ abgetan. Sie würden dem Westen den Vorwand liefern, sich aus der Verantwortung zu stehlen, um die lästige Entwicklungshilfe loszuwerden.</p>
<p class="MsoNormal">In Deutschland glaubt man idealistisch unverzagt an Entwicklung durch Umverteilung („Die Reichen schenken den Armen“). Noch dazu verwechseln die meisten dann auch das Gute mit der guten Absicht, was vollends in die Irre leitet. Auch machen meine afrikanischen Freunde nicht die Globalisierung für den mangelnden Fortschritt verantwortlich, sondern die Regierungen ihrer Länder.</p>
<p class="MsoNormal">Wenn wir wollen, dass die Massenflucht aus Afrika endet, brauchen wir einen offensiven, nicht kleinmütigen Dialog mit den afrikanischen<span> </span>Führungsschichten. Es sollte nicht als Bevormundung aufgefasst werden, wenn wir fordern, dass afrikanische Regierungen ordentlich regieren und die Verantwortung für das Wohl ihrer Völker selbst übernehmen müssen. Nur wenn die Jugend Afrikas den Eindruck gewinnt, dass die Ungleichheiten nicht weiter vertieft werden, das politische System sich ernsthaft bemüht dem eigenen Volk Vertrauen einzuflößen ,werden sie sich nicht mehr auf die lebensgefährliche und unsichere Auswanderung einlassen.&#8221;</p>
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<p class="MsoNormal">Volker Seitz war von 1965 bis 2008 in verschiedenen Funktionen im Auswärtigen Dienst tätig, u.a. in Brüssel, Armenien, Japan und mehreren Ländern Afrikas. Von 2004 bis zu seinem Ruhestand 2008 war er Leiter der Botschaft Jaunde/Kamerun. Er ist<span> </span>Mitinitiator des Bonner Aufrufs für eine Reform der Entwicklungspolitik und Autor des Buches „Afrika wird armregiert“ dtv, Juli 2009</p>
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