Home » Unternehmensethik

„Was macht Ihre Bank mit Ihrem Geld?”

15 November 2009 Moritz Rüller 3 Kommentare PDF Drucken

Wir leben im Jahre 1 nach der größten Bankenkrise seit 1929 und sehen, wie sich für normal gehaltene Standards und Geschäftsgebaren nach einer jahrelangen Ralley in Luft auflöst; Vater Staat die Banken mit vielen Milliarden stützt, während das – zumindest gefühlte – soziale Klima im Keller ist ; auch, wie das Ansehen der Geldinstitute und das Vertrauen in ihre Geschäfte und ihr Führungspersonal sich auf einem Tiefpunkt befinden. Kurz: Es ist viel Psychologie im Spiel – ein Faktor aber, der sehr wirkmächtig sein kann. Zum anderen: Selbst als alles noch “gut” lief, als die New Economy, der Immobilienmarkt noch boomte, die Renditen und Aktienkurse keine Obergrenze zu haben schienen…auch zu diesen “guten” Zeiten sah der (scheinbare?) Wohlstand irgendwie ‘virtuell’ aus. Der Blick war kurzfristig, man konnte den Eindruck gewinnen, dass trotz des vielen Kapitals, das um den Globus jagd, wirklich essentielle Investitionen in die Zukunft unserer Gesellschaften (und die des Südens) unterblieben (man denke an den wirklich zukunftsgerechten Umbau des Energiesektors, an den in Sonntagsreden so viel beschworen Stellenwert von Bildung etc.), weil ein Horizont von 10 Jahren und mehr einfach keine Beachtung am schnelllebigen Markt findet.

Ich blättere durch das Politikressort der ZEIT – und bleibe bei einer fast weißen Anzeigenseite hängen. Dort ist zu lesen: “Was macht Ihre Bank mit Ihrem Geld? Sie wissen es nicht? Es wird Zeit, dass sich das ändert. Deshalb habe ich eine andere Bank gegründet.” und ich komme der Aufforderung nach, mehr auf www.anderebank.de zu erfahren. Dort spiele ich ein sehr emotionales gehaltenes Video ab, dass verspricht, dass es im Bankensektor auch anders zugehen kann als im “System Wallstreet”. Hinter der “anderen Bank” verbirgt sich die Noa Bank, die seit Anfang November in Deutschland gestartet ist. Ein Institut, dass sich gewissermaßen wieder auf die Kernkompetenz aller Banken konzentrieren will: Die Vergabe von Krediten an kleine und mittlere Unternehmen; Spekulationen und klassische Investmentgeschäfte sind dagegen tabu. Die Noa Bank möchte transparent sein, und sozial verantwortlich. Der Kunde bzw. Sparer kann zwischen vier verschiedenen Tagesgeldkonten wählen – und damit bestimmen, in welchen Sektor die Bank das Geld als Kredite weiterreicht. Zur Auswahl stehen die Bereiche Region, Planet, Leben, Kultur. Das erste erklärt sich selbst, bei Planet werden die Gelder in nachhaltige Entwicklung wie erneuerbare Energien gesteckt, bei Leben in Krankenhäuser, Altenheime und ähnliche soziale Unternehmen; mit Kultur unterstützt und investiert man in künstlerisches Schaffen. Die Zinsen sollen  im oberen Drittel konkurrenzfähig zu den Anlageprodukten traditioneller Banken sein. Neben den Tagesgeldkonten gibt es ein kostenloses Girokonto, sowie eine EC- und Mastercard mit europaweit kostenloser Bargeldabhebung. Alles weitere, die zahlreichen Anlageformen wie Investmentfonds etc. gibt es nicht – den darin soll sich die Noa Bank ja gerade unterscheiden. Für Gründer Francois Jozic soll deutlich werden, dass es eine direkte Verbindung zwischen Einlagen und Krediten” gibt, die Sparer sollen eben mitbestimmen, wohin ihr Geld fließt, anstatt es wie bei anderen Häusern “einfach in einer Black Box” zu stecken.

Der 36 jährige Belgier sammelte Jahre lang Erfahrung als Finanzierer und Berater kleiner und mittelständischer Unternehmen und stellte fest, dass für bestimmte Größenordnungen, für Investitionen in echte Realwerte einfach zu wenig Mittel zur Finanzierung bereit stünden. So kam er zu der Überzeugung, dass eine eigene, eben ‘andere’ Bank her muss. Es stellte sich dan die Frage: Neugründung oder Übernahme einer bestehenden Bank. Letztere Option bot sich an, um nicht völlig bei Null anfangen zu müssen. So wurde im Juni 2009 das Lichtensteiner Bankhaus Zwirn GmbH & Co. KG von einem amerikanischen Hedgefonds gekauft. Auch wenn diese Bank zuvor nichts mit den Werten der Noa Bank zu tun hatte: Man hatte damit eine gültige Bankenlizenz und eine funktionierende IT-Infrastruktur in der Hand, um anfangen zu können; gleichzeitig wurde geprüft, dass es kein böses Erbe mit Verbindlichkeiten und “toxischen Papieren” gab.

Die Noa Bank möchte innerhalb von fünf Jahren 500.000 Kunden gewonnen haben und bereits 2011 in der Gewinnzone sein. Ein ergeiziges Ziel, wo schon seit Jahren bestehende Banken mit sozialethischer Ausrichtung wie die GLS-Bank und andere zusammen auf gerade einmal 200.000 Kunden kommen. Laut Gründer Francois Jozic unterschieden sich diese Institute allerdings von seinem Haus, da sie “sich nicht getraut [haben], radikal umzudenken” und doch zu sehr im klassischen Bankengeschäft verstrickt seien (nach zulesen in einem Artikel auf Welt-Online vom 6.11.09 http://www.welt.de/die-welt/finanzen/article5104878/Wir-sind-alle-Opfer-der-grossen-Banken.html).

Ob die Noa Bank die selbstgesteckten Ziele hinsichtlich des eigenen Geschäftserfolgs sowie in Bezug auf die Erfüllung der beworbenen Werte ‘Transparenz’, ‘Mitbestimmung des Kunden’ und ‘Sozialer Verantwortung’ gerecht wird, kann nur die Zeit zeigen. Spannend und innovativ klingt das Konzept auf jeden Fall und könnte in Folge der Unzufriedenheit mit den Banken infolge der Krise aufgehen. Sympathisch stimmen bisher die vielen Aktivitäten im Bereich Social Media: neben der Webseite www.noabank.de gibt es die Kampagnen-Webseite www.anderebank.de, einen Youtube-Channel, ein Profil auf Facebook und Twitter; und außerdem einen Weblog, auf dem der Gründer selbst regelmäßig berichtet. So ist auch das ganze Marketing stark auf seine Person als Identifikationsfigur zugeschnitten – wenn es hilft, so nachhaltiges Vertrauen zu Schaffen, warum nicht?

3 Kommentare »

Kommentar hinterlassen

Kommentar hier hinterlassen, Trackback auf Ihrer Seite einfügen oder Kommentare als RSS abonnieren.

Um zu Ihrem Kommentar automatisch ein Bild einzufügen registrieren Sie sich bei Gravatar.