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Ach, wenn gute Politik so einfach wäre

8 November 2009 Christian Walz 2 Kommentare PDF Drucken

Der aufgeklärte deutsche Staatsbürger lebt in einem Dilemma: Einerseits ist es zu einem Gemeinplatz geworden, dass Entwicklungsarbeit auf der Südhalbkugel zu befürworten ist. Andererseits will man's dann doch nicht zu weit treiben: Immerhin finanzieren wir durch Entwicklungsgelder ausländische Konkurrenz.

Deshalb ließ der Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) per Bild-Zeitung verkünden: Indien und China sollen demnächst ihre Entwicklung ohne deutsche Gelder finanzieren. Klingt gut. Immerhin sind doch die Chinesen dieses Völkchen, das uns schlechtes Klima, unfaire Konkurrenz und Menschenrechtsverletzungen beschert. "Ach, wenn gute Politik so einfach wäre", antwortet daraufhin Petra Pinzler in einem lesenswerten Argument in "Die Zeit" (Nr. 46, S. 33) und zeigt, wie Entwicklungshilfe für China und Indien mit Klimaschutz und Fortschritt in Afrika zusammenhängen.
 
Dass Entwicklungsarbeit Konkurrenz schafft, ist für Pinzler notwendig mit guter Entwicklungshilfe verbunden: Durch diese sollen die südlichen Länder ja gerade in die Lage versetzt werden, autonom auf dem Weltmark ihren Wohlstand zu erwirtschaften. Das geht eben nur, wenn sie auch wettbewerbsfähig werden. Zudem wahrt es auch unsere Interessen, wenn wir den Export an (insbesondere umweltfreundlichen) Technologien nach China und Indien nicht einstellen: Würden China und Indien in den kommenden Jahren nur annähernd so viel Schmutz wie das Abendland in den vergangenen Jahrhunderten in die Atmosphäre blasen, wäre jede Lebensgrundlage für menschliches Leben vernichtet. Außerdem fördere man auf diesem Wege den Fortschritt in Afrika: Durch chinesische Massenproduktionen könnten z.B. Solarzellen in Afrika für Bauern bezahlbar werden. Des Weiteren würden mehr chinesische Firmen in Afrika Umweltstandards beachten.
 
 
Näheres findet ihr unter dem Link zum Online-Artikel:
 
www.zeit.de/2009/46/Argument-Entwicklungshilfe

2 Kommentare »

  • Robert Jänisch said:

    Zum Thema Entwicklungshilfe und Konkurrenz fällt mir folgendes ein: Immer wieder wird uns vor Augen geführt, dass Gewinn / Verlust Denken die einzige Möglichkeit ist, den Wohlstand der westlichen Welt zu sichern. Vater des Gedanken ist dabei häufig noch nicht einmal die Angst etwas zu verlieren, sondern etwas evtl. nicht zu bekommen. Umgekehrt wird Entwicklungshilfe leider von vielen Menschen als Verlust / Gewinn verstanden. Wenigen kommt in den Sinn, dass der dritte Weg, die Gewinn / Gewinn Orientierung das Ziel der Bemühungen sein sollte. Durch diesen Weg lassen sich Lösungen finden, auf die man allein vielleicht nicht einmal gekommen wäre.

  • Lisa Armbruster said:

    Ich denke (auch), dass die Angst vor ausländischer Konkurrenz der völlig falsche Grund ist entwicklungspolitische Maßnahmen zu reduzieren. Wenn aus heutigen Entwicklungsländern wirtschaftlich starke Länder werden, muss das noch lange nicht eine Schwächung der westlichen Industrienationen bedeuten. Diese Gedanken/ Ängste zeigen aber, dass Entwicklunspolitik leider immer noch von der Vorstellung geprägt ist, dass westliche Politik und westliche Wirtschaftssysteme das Optimum darstellen. Auf die Eigenheiten der Nationen/Kulturen wird dabei wenig eingegangen und der Gedanke, dass von einer vielfältige Welt profitiert werden kann, kommen den meisten Politikern anscheinend nicht.

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