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“Ungleichheit überwinden” – Weltbildungsbericht 2009

26 Mai 2009 Sabrina Meyfeld Keine Kommentare PDF Drucken

Der diesjährige Weltbildungsbericht der UNESCO steht unter dem Motto "Ungleichheit überwinden: warum politisches Handeln zählt". Schwerpunkte des Berichtes sind im Jahre 2009 Bildungspolitik und Bildungsfinanzierung.
Jährlich evaluiert die UNESCO mit diesem Bericht inwiefern sich verschiedene Länder den sechs Bildungszielen angenähert haben, die sie seit dem Weltbildungsforum "Education for All" (EFA) in Dakar bis 2015 erreichen wollen.

Beim EFA wurden folgende sechs Ziele beschlossen:

  • Frühkindliche Förderung und Erziehung soll ausgebaut und verbessert werden, insbesondere für benachteiligte Kinder
  • Bis 2015 sollen alle Kinder – insbesondere Mädchen, Kinder in schwierigen Lebensumständen und Kinder, die zu ethnischen Minderheiten gehören – Zugang zu unentgeltlicher, obligatorischer und qualitativ hochwertiger Grundschulbildung erhalten und diese auch abschließen
  • Die Lernbedürfnisse von Jugendlichen und Erwachsenen sollen durch Zugang zu Lernangeboten und Training von Basisqualifikationen (life skills) abgesichert werden
  • Die Analphabetenrate unter Erwachsenen, besonders unter Frauen, soll bis 2015 um 50% reduziert werden. Der Zugang von Erwachsenen zu Grund- und Weiterbildung soll gesichert werden
  • Bis 2005 soll das Geschlechtergefälle in der Primar- und Sekundarbildung überwunden werden
  • Bis 2015 soll Gleichberechtigung der Geschlechter im gesamten Bildungsbereich erreicht werden, wobei ein Schwerpunkt auf der Verbesserung der Lernchancen für Mädchen liegen muss
  • Die Qualität von Bildung muss verbessert werden

Um den Fortschritt bezüglich dieser Entwicklungen im Jahre 2009 zusammenfassend zu dokumentieren, veröffentlichte die Deutsche UNESCO-Kommission die folgenden Ergebnisse:

"Der diesjährige Bericht zieht ein kritisches Fazit: Der Fortschritt bei den sechs Dakar-Zielen werde insbesondere durch Benachteiligung aufgehalten. Faktoren wie Einkommen, Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit, Muttersprache und Behinderung führen laut dem Bericht nach wie vor zu starker Benachteiligung und mangelnden Bildungschancen.

Eines von drei Kindern in Entwicklungsländern ist, wenn es das Grundschulalter erreicht, durch Mangelernährung geschädigt, in Südasien sind es sogar 40 Prozent. Immer noch gehen 75 Millionen Kinder weltweit nicht zur Grundschule, in Afrika südlich der Sahara betrifft dies fast ein Drittel aller Kinder.

Wenn sich aktuelle Trends fortsetzen, so werden im Jahr 2015 immer noch mindestens 29 Millionen Kinder keine Schule besuchen. Im Hinblick auf die Bildungschancen von Kindern verläuft eine riesige Kluft zwischen armen und reichen Ländern. Häufig sind auch die Unterschiede innerhalb eines Landes groß. Besonders Mädchen aus dem ländlichen Raum sind stark benachteiligt.

Obwohl in einigen der ärmsten Länder ermutigende Fortschritte sichtbar seien, würden ohne entschiedene Maßnahmen viele Bildungsziele verpasst werden, in einigen Fällen sogar bei weitem. Der Bericht weist darauf hin, dass die Schulsysteme vieler Länder dauerhaft unterfinanziert und unzureichend mit Personal ausgestattet sind. Allein in Afrika südlich der Sahara müssen 3,8 Millionen neue Lehrer eingestellt werden, um bis 2015 allen Kindern eine Grundschulbildung zu ermöglichen.

Immer noch können 776 Millionen Erwachsene weltweit nicht lesen und schreiben, 16 Prozent der Weltbevölkerung. Zwei Drittel der Analphabeten sind Frauen. Setzt sich die aktuelle Entwicklung fort, werden im Jahr 2015 immer noch über 700 Millionen Menschen Analphabeten sein.

Eine zentrale Schlussfolgerung des diesjährigen Weltbildungsberichtes ist, dass die nationalen Regierungen sozialer Gerechtigkeit dringend höhere Priorität einräumen müssen. Auf der Basis internationaler Erfahrungen identifiziert das Autorenteam eine Reihe von Maßnahmen, die größere Chancengleichheit herbeiführen können, darunter die Abschaffung von Schulgebühren, höhere Investitionen in Bildung, Anreize für Mädchen und benachteiligte Gruppen und mehr Gewicht auf Bildungsqualität.

Kritisch sehen die Autoren aktuelle Tendenzen, Regierungshandeln von Industriestaaten in Entwicklungsländer zu exportieren und dort zu kopieren. Der Bericht legt Wert darauf, dass die Bereitstellung einer erschwinglichen Grundbildung Aufgabe des Staates sei. Es dürfe nicht die Rolle des Privatsektors sein, ein nicht funktionierendes öffentliches System zu reparieren.

Die Politik der Geber, die ihre Entwicklungshilfezusagen in großer Zahl nicht einhielten, wird kritisch beurteilt. Der Bericht kommt zu der Einschätzung, dass im Jahr etwa 7 Milliarden US-Dollar fehlen, um bis 2015 das Ziel einer Grundbildung für alle zu erreichen. Die Hilfe für Grundbildung stagniere seit 2004 und werde von einigen großen Geberländern stark vernachlässigt, vor allem Frankreich, Deutschland und Japan."

Quelle: www.unesco.de/efareport2009.html
(Hier finden sich eine ausführlichere Version des Berichts sowie der Link zur vollständigen englischen Fassung)

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